ETF Steuern

Ein Portfolio aus Fonds ist im Gegensatz zu anderen Formen der Altersvorsorge nicht nur kostengünstig, sondern bietet bei bestimmten Fonds auch einen erheblichen Steuervorteil. Wir zeigen Ihnen was Sie dabei für Ihre optimale Altersvorsorge beachten müssen.

Zusammenfassung:

  • Ein Fonds-Portfolio bietet Steuervorteile bei thesaurierenden Aktienfonds durch den Zinseszins, die aufgeschobene Besteuerung, und die Teilfreistellung von bis zu 30%
  • Für die Auswahl des passenden Altersvorsorgeprodukts sollten neben der steuerlichen Behandlung auch die Kosten und die Flexibilität berücksichtigt werden
  • Bei einem Sparplan oder Entnahmeplan ohne Ausschüttungen fällt ein Großteil der Steuerbelastung erst beim Verkauf der Indexfonds an

Steuergünstiges Fonds-Portfolio selber erstellen

Sie können ganz einfach ein optimales und steuergünstiges ETF-Portfolio selber bauen. Nutzen Sie dazu unsere Empfehlungen in den Artikeln, wie man ETF selber auswählen kann, um daraus einen optimalen ETF-Sparplan oder einen ETF-Entnahmeplan zu erstellen.

Wenn Sie rechtzeitig an Ihre Altersvorsorge denken, können Sie Steuern sparen und durch die optimale Anlage sogar früher in Rente gehen. Wir zeigen Ihnen mit drei Angaben in zwei Minuten, wie das funktioniert, und wieviel Sie das heute kostet.

Rentengutachten

Steuern sind wichtig in der Altersvorsorge – aber nicht nur!

Es gibt unzählige Produkte, die sich mehr oder weniger für die Altersvorsorge eignen. Steuern sollten bei der Auswahl des passenden Produkts neben der Rendite nach Kosten und der Flexibilität nur eines von mehreren Kriterien sein.

Allein aus steuerlichen Motiven schneidet die private und gesetzliche Rentenversicherung auf den ersten Blick am besten ab, da hier Beiträge zur Altersvorsorge (bis zu einer bestimmten Obergrenze) vom steuerpflichtigen Bruttoeinkommen abgezogen werden können. Allerdings gibt es drei wesentliche Nachteile dieser Altersvorsorgelösungen:

  1. Nachgelagerte Besteuerung: Die gesamte Auszahlung (und nicht nur der Ertrag aus den Beiträgen) unterliegt dem persönlichen Einkommensteuersatz
  2. Mangelnde Flexibilität: Diese «gebundene» Altersvorsorge mit Riester- und Rürup-Verträgen ist sehr unflexibel, das Geld kann nicht mehr anders verwendet bzw. vererbt werden
  3. Hohe Kosten: Private Rentenversicherungen haben hohe Verwaltungs- und Vertriebskosten, welche die Rendite auffressen
Zu 1) Nachgelagerte Besteuerung der gesamten Auszahlung:


Die meisten einkommensteuerpflichtigen Personen haben im Rentenalter einen tieferen Einkommensteuersatz als während Ihres Erwerbslebens. Das liegt an dem meist geringeren Einkommen und dem progressiven Steuersatz. Dies ergibt den sogenannten Steuervorteil durch nachgelagerte Besteuerung. Allerdings unterliegt in der Rentenphase die volle Rente der Steuer, und nicht nur der Ertrag aus den Beiträgen. Nehmen wir an, dass die Rendite nach Kosten Null ist und Sie erhalten eine jährliche Rente von 1.000 Euro aus einem Riester- oder Rürup-Vertrag. Dann versteuern Sie auch die volle Rente (möglicherweise nur anteilig aufgrund des Besteuerungsanteils) mit Ihrem persönlichen Einkommensteuersatz. Wenn Sie von Ihrem Konto mit Nullverzinsung jedes Jahr 1.000 Euro entnehmen, zahlen Sie hingegen keine Steuern. Dafür konnten Sie selbstverständlich auch die Beiträge bei der gesetzlichen Rentenversicherung abziehen, aber das Beispiel zeigt, dass bei Rentenversicherungen der Steuervorteil hauptsächlich auf dem unterschiedlichen Einkommensteuersatz in Beitrags- und Auszahlungsphase beruht.

Zu 2) Mangelnde Flexibilität bei der steuerlich geförderten «gebundenen» Vorsorge:


Den o.g. Steuervorteil von Altersvorsorgeverträgen der sog. «gebundenen Vorsorge» bekommt nur, wer sich an den Zweck der Beiträge – nämlich zur Altersvorsorge -langfristig bindet. Über die freiwilligen Beiträge kann in der gesetzlichen Versicherung nicht mehr verfügt werden, in der privaten Versicherung nur mit Nachteilen und unter ganz bestimmten Voraussetzungen. Die angesparten Beiträge sind bei einem frühen Tod (bis auf mögliche Witwen- und Waisenrenten) verloren.

Zu 3) Hohe Kostenbelastung bei Privaten Rentenversicherungen:


Lebensversicherungen investieren die Beiträge von Rentenversicherungen und Kapitallebensversicherungen entweder in Fondsanteile (fondgebundene Rentenversicherung) oder in ihren sog. Deckungsstock (traditionelle Rentenversicherung). Bei beiden Versicherungen sind die Vertriebskosten mit 3-5% der Beiträge und die Verwaltungskosten mit 10-20% der Beiträge relativ hoch. Zudem kommen bei fondsgebundenen Lebensversicherungen noch Gebühren für Fonds-Management und weitere anlagespezifische Kosten hinzu. Im Fall des Kündigung oder der Prämienfreistellung werden die noch nicht verrechneten Abschlusskosten dem Versicherten komplett von seinem Kapital abgezogen. Ein möglicher Steuervorteil ist damit schnell wieder aufgewogen.

Investmentsteuerreformgesetz: Die Wichtigsten steuerlichen Neuerungen für ETF

Seit 2018 werden Indexfonds und ETF einheitlich besteuert: Kapitalgewinne und Ausschüttungen von in- und ausländischen Fonds unterliegen beim Anleger einheitlich der Besteuerung. Damit wird die bisherige Logik wie folgt vereinfacht:

  1. Erträge bei thesaurierenden Fonds:
 Zukünftig wird angenommen, dass jeder thesaurierende Fonds einen gewissen Minimalertrag erzielt, den sogenannten Basisertrag. Dieser beträgt 70% des Basiszinses, der jährlich von der Bundesbank publiziert wird. Der Anleger bezahlt neu Abgeltungssteuer (und evtl. Kirchensteuer oder Solidaritätszuschlag) auf diesen Basisertrag, oder auf die tatsächliche jährliche Wertsteigerung, falls diese kleiner als der Basisertrag ist.
  2. Erträge bei ausschüttenden Fonds: Ausschüttungen werden wie bisher mit Abgeltungssteuer (und evtl. Kirchensteuer oder Solidaritätszuschlag) belegt. Ist der Basisertrag oder die tatsächliche Wertentwicklung grösser als die Ausschüttung, bezahlt der Anleger insgesamt Steuern auf den Basisertrag (oder auf die tatsächliche Wertsteigerung, wie in 1.).
  3. Kapitalgewinne bei Verkauf: Kapitalgewinne müssen wie bisher ebenfalls mit Abgeltungssteuer (und evtl. Kirchensteuer oder Solidaritätszuschlag) versteuert werden. Bereits geleistete Vorabpauschalen für Basiserträge werden dabei berücksichtigt.
  4. Teilfreistellung bei Misch- und Aktienfonds: Alle o.g. Steuerzahlungen werden um 15% reduziert, wenn der Fonds in mehr als 25% Aktien investiert. Bei Aktienfonds gibt es sogar eine Teilfreistellung von pauschal 30%, wenn der Fonds in mehr als 50% Aktien investiert.

Steuern sparen durch nicht-ausschüttende Indexfonds auf Aktien

Leider wenig beachtet ist der interessante Steuervorteil für thesaurierende Aktienfonds, z.B. in einem langfristigen Sparplan. Diese Fonds zahlen während der Laufzeit nur sehr wenig Steuern. Wenn der Fonds mit einem jährlichen Verlust notiert, oder wenn der Basisertrag negativ ist, müssen Sie gar nichts versteuern. Die so gesparten Steuern werden (wie die Ausschüttungen) wieder im ETF angelegt und partizipieren an der Aktienmarktperformance. Erst bei Verkauf der Fondsanteile wird die Steuer auf die Kaptalgewinne (abzgl. geleisteter Vorabpauschalen) fällig. Durch die Günstigerprüfung kann bei der Einkommensteuererklärung dann sogar ein tieferer individuellen Einkommensteuersatz zur Anwendung kommen als der Steuersatz der Abgeltungssteuer (25%). Insgesamt haben Sie daher durch die aufgeschobene Besteuerung am Ende mehr mit einem thesaurierenden Indexfonds als mit einem ausschüttenden.

Bei konkreten steuerlichen Fragen kann Ihr Steuerberater am besten Auskunft geben.

Worauf Sie bei Indexfonds noch achten sollten

Ein gutes ETF-Portfolio lässt sich wie folgt charakterisieren:

  1. Es investiert in Aktien aus verschiedenen Anlageregionen
  2. Das Rendite- und Risikoprofil des Depots passt zur Verlusttragfähigkeit, zu den Erfahrungen und Kenntnissen, Anlagezielen und Wünschen des Anlegers
  3. Es besteht aus kostengünstigen und wenigen Anlageinstrumenten (max. 5 Wertpapiere)
  4. Die strategische Aufteilung des Portfolios wird konsequent beibehalten, d.h. es gibt ein regelmäßiges «Rebalancing»

Wie sie ETF selber auswählen können, um einen ETF-Sparplan oder einen ETF-Auszahlungsplan zu erstellen, zeigen wir Ihnen in separaten Artikeln. Grundsätzlich ist dabei auf Folgendes zu achten:

  • Konstruktion: physisch sicherer als synthetisch replizierend
  • Streuung: mehr als 30 Einzeltitel pro ETF, ETFs von verschiedenen Anbietern kaufen
  • Kosten: maximal 0.50% p.a. für die gängigsten Anlagemärkte

Bei der Auswahl der einzelnen Titel und der depotführenden Bank, bei den Transaktionen und beim Rebalancing unterstützt Sie am besten ein unabhängiger Anlageberater.