ETF richtig auswählen

Passende ETF bzw. Indexfonds kann jeder ganz einfach selber auswählen. Wir zeigen Ihnen, auf was Sie bei der Auswahl achten und welche Fehler Sie nicht machen sollten.

Zusammenfassung:
  • Für ein optimales ETF-Portfolio genügen wenige geeignete Wertpapiere, aus denen Sie dann ein zu Ihnen passendes Depot bauen können
  • Bei der Auswahl geeigneter Wertpapiere sollten Sie auf deren Konstruktion, eine ausreichende Streuung, die Ertragsverwendung und auf die Kosten achten
  • Für die meisten Anleger sind physische und thesaurierende Indexfonds mit Kosten unter 0.5% p.a. geeignet

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Warum ETF?

ETF steht für «Exchange Traded Fund» oder auch Indexfond. Der Begriff bezeichnet einen passiven Investmentfonds mit üblicherweise geringen Gebühren und ohne Ausgabeausschläge. Institutionelle Investoren wie Pensionskassen und Versicherungen investieren schon viele Jahre viel Geld in diese effizienten Investmentprodukte, aber auch immer mehr Privatanleger setzen auf ihre Vorteile. Neben dem kostengünstigen Preis spielt auch immer mehr die hohe Transparenz und Einfachheit eine wichtige Rolle, so dass Indexfonds das optimale Anlageprodukt für die meisten Anleger sind. Ein ETF-Portfolio selber zu bauen ist tatsächlich auch ganz einfach. Der Hauptunterschied zu klassischen «aktiven» Fonds ist deren passiver Ansatz, d.h. die ETF versuchen erst gar nicht durch Aussuchen vermeintlich zukünftig gut laufender Einzeltitel («Stock Picking») oder durch optimales Ein- und Aussteigen in Anlagen («Market Timing») deren Vergleichsindex («Benchmark») zu schlagen. Studien zeigen immer wieder deutlich, dass es aktive Fonds gerade über lange Anlagehorizonte und in liquiden Märkten sehr schwer haben ihren Benchmark zu schlagen. Außerdem ist wissenschaftlich sehr gut belegt, dass «Market Timing» und «Stock Picking» entgegen unserer Intuition eine untergeordnete Rolle für den langfristigen Anlageerfolg spielen. Viel wichtiger ist die korrekte Aufteilung des Vermögens auf einzelnen Anlageklassen und Anlageregionen («Asset Allocation»), und deren konsequente Beibehaltung. Gerade die Beibehaltung («Buy and Hold») einer gefassten Anlagestrategie stellt sich für Privatanleger in einem unsicheren Marktumfeld immer wieder als große Herausforderung heraus.

Was macht ein gutes ETF-Portfolio aus?

Ein gut strukturiertes ETF-Portfolio lässt sich wie folgt charakterisieren:

  1. Es investiert in die wichtigsten Anlageklassen Aktien, Anleihen, Rohstoffe (evtl. auch Immobilien) aus verschiedenen Anlageregionen
  2. Das Rendite- und Risikoprofil passt zur Verlusttragfähigkeit, zu den Erfahrungen und Kenntnissen, Anlagezielen und Wünschen des Anlegers
  3. Es besteht aus kostengünstigen und wenigen Anlageinstrumenten (nicht mehr als fünf Wertpapiere)
  4. Die strategische Aufteilung des Portfolios wird konsequent beibehalten, d.h. es gibt ein regelmässiges «Rebalancing»

Wir zeigen Ihnen im Artikel ETF-Portfolio, wie Sie sich ein optimales Depot aus Indexfonds selber bauen können.

Unterstützen kann hier auch ein unabhängiger Anlageberater, der die größten Fehler von Privatanlegern verhindert und Sie das optimale Rendite- und Risikoprofil bestimmt, das auch zu Ihrem Alter passt.

Wie wähle ich die richtigen ETF für mich aus?

Wenn sie ETF selber auswählen möchten, sollten Sie auf Folgendes achten:

  1. Konstruktion: physisch sicherer als synthetisch replizierend
  2. Streuung: mehr als 30 Einzeltitel pro ETF, ETFs von verschiedenen Anbietern kaufen
  3. Ertragsverwendung: thesaurierend bietet mehr Vorteile als ausschüttend
  4. Kosten: maximal 0.50% p.a. für die gängigsten Anlagemärkte
Zu 1) Konstruktion:

Indexfonds ist nicht gleich Indexfonds. Was auf einem ETF vorne drauf steht, muss nicht auch zwingend drin sein. Ein Indexfonds verfolgt das Ziel, einen Index «möglichst gut» abzubilden. Ein Index ist ein Korb mit vielen verschiedenen Referenzaktien mit einer bestimmten Gewichtung. Der DAX ist beispielsweise ein Korb aus den 30 grössten deutschen Aktien, die nach Ihrer Marktkapitalisierung im Korb gewichtet sind. Die Gewichtung wird jährlich angepasst, es kann also vorkommen, dass Referenzaktien aus dem Korb verschwinden, da Ihre Marktkapitalisierung nicht mehr zu den 30 grössten Aktien Deutschlands gehört. Oder die Gewichtung im Korb ändert sich, da beispielsweise der Aktienkurs eines Unternehmens relativ stärker ändert als andere Unternehmen im Korb.

Ein Indexfonds hält sein Versprechen einen Vergleichsindex «möglichst gut» abzubilden, wenn die Wertentwicklung des Indexfonds keine oder nur kleine Abweichungen zum Vergleichsindex hat (diese Abweichung heisst übrigens «Tracking Error»). Wie kann ein ETF aber sein Versprechen halten?

Die einfachste Methode ist die sogenannte «physische Replikation». Hier sind – wie die meisten auch erwarten würden - alle Referenzaktien im Vermögen des ETF, wie im Vergleichsindex, den er abzubilden versucht. Konkret heisst das am Beispiel eines physischen DAX Indexfonds, dass dieser ETF auch genau sein Fondsvermögen in den 30 Aktien investiert hat, aus denen der DAX Index besteht. Diese Konstruktionsmethode hat den Vorteil, dass keine Derivate (siehe nächste Abschnitte) verwendet werden müssen und somit für den Anleger kein Ausfallrisiko besteht. Der Nachteil ist aber die höhere Kostenbelastung als bei anderen Methoden, die durch den Kauf und Verkauf von Aktien entstehen - durch Wegfallen, Hinzukommen oder Gewichtsverschiebungen im Referenzkorb. Die physische Replikation bietet sich bei passiven Indizes mit wenig Referenzaktien an.

Eine weitere verbreitete Methode ist das «optimized sampling». Hier wird – gleich wie bei der physischen Replikation – in die Referenzaktien des Korbes investiert, aus denen der Index besteht. Der Unterschied besteht aber darin, dass nicht in alle Aktien, sondern nur in die grossen Aktien, welche den Index und seine Wertentwicklung maßgeblich beeinflussen, investiert wird. Am Beispiel des DAX Index heisst das, dass nicht alle 30 Referenzaktien vom ETF gekauft werden, sondern nur beispielsweise die 20 grössten Unternehmen. Diese repräsentieren (aufgrund der Marktwertgewichtung) bereits über 90% der Marktkapitalisierung des DAX, obwohl nur 66% der Aktien gekauft werden müssen. Die Wertentwicklung des Indexfonds mit «optimized sampling» entspricht somit fast genau der Wertentwicklung des Referenzindex. Der Nachteil dieser Methode ist offensichtlich ein möglicherweise höherer Tracking Error zugunsten niedrigerer Kosten. Auch diese Methode kann auf den Einsatz von Derivaten verzichten. Optimized Sampling wird häufig bei Indizes mit vielen hunderten oder sogar tausenden Referenzaktien (z.B. beim MSCI World) verwendet.

Eine letzte Methode ist die «swap-basierte» oder «synthetisch replizierende» Konstruktion von Indexfonds. Im Gegensatz zu den ersten beiden beschriebenen physischen Methoden, bei denen tatsächlich die Referenzaktien des Index auch im Fondsvermögen des ETF enthalten sind, kann in einem synthetischen Indexfonds theoretisch alles enthalten sein, was liquide und über die Börse handelbar ist, und für deren Wertentwicklung es ein Interesse von Marktteilnehmern gibt. Deren Wertentwicklung wird nämlich bei swap-basierten ETFs gegen die Wertentwicklung des Referenzindex getauscht (engl. Swap = Tausch). Am Beispiel unseres DAX Index, deren Wertentwicklung der ETF eigentlich abbilden soll, heißt das: Im Fondsvermögen des synthetischen ETF sind keine Referenzaktien des Index, sondern beispielsweise Bundesobligationen der Bundesrepublik Deutschland. Nun wird mit einer Bank eine Vereinbarung über den Tausch von Wertentwicklungen geschlossen (sogenannte «Swap-Transaktion»). Dabei wird vereinbart, dass z.B. jeden Monat die Bank die Wertentwicklung des Referenzindex an den ETF zahlen muss, und der ETF im Gegenzug die Wertentwicklung der Bundesobligationen an die Bank. Somit bildet der ETF «synthetisch» die Wertentwicklung des Referenzindex DAX ab, da die Wertentwicklung seiner gehaltenen Bundesobligationen gegen die Wertentwicklung des DAX getauscht wird. Es besteht zwischen den monatlichen Ausgleichszahlungen ein geringes Ausfallrisiko für den ETF auf dem Swap, wenn die Bank Ihrer monatlichen Zahlung bei gestiegenem Referenzindex nicht nachkommen kann. Die Höhe des Swap am Gesamtfondsvermögen ist gesetzlich auf 10% begrenzt. Der Vorteil der swap-basierten Indexfonds ist somit das Entfallen von Kauf und Verkauf der Referenzaktien und somit ein Kostenvorteil gegenüber physisch replizierenden ETFs.

Zu 2) Streuung und Gewichtung:

Ein optimales ETF-Portfolio ist breit diversifiziert über Anlageklassen und Anlageregionen sowie -branchen. Die Diversifikation über verschiedenen Anlageklassen (z.B. Aktien, Anleihen, Rohstoffe) erfolgt über den Kauf verschiedener ETFs aus verschiedenen Anlageklassen («Asset Allocation»). Wenn Sie für jede Anlageklasse den passenden ETF gefunden haben, sollten sie die Aufteilung Ihrer Anlage gemäss unserem Artikel «ETF-Portfolio» vornehmen. Die Diversifikation über Anlageregionen und Anlagebranchen ist zwar auch wichtig, sie wird dem Anleger aber durch die effiziente Konstruktion der meisten Indizes bereits abgenommen. Sie sollten bzgl. Anlageregionen auf jeden Fall darauf achten, dass keine Region in Ihrem ETF-Portfolio dominiert, also mehr als 50% Gewicht hat. Wir empfehlen auf eine ausgeglichene Aufteilung des Anlagevermögens auf die Regionen Asien/Pazifik, Amerika, Europa und Emerging Markets zu achten. Die Gewichtung der Regionen wird im besten Fall gemäss dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) vorgenommen. Die Verwendung marktwertgewichteter Indexfonds ist akzeptabel, wenn mehrere ETFs auf verschiedene Regionen gekauft werden, damit z.B. die Vereinigten Staaten im Gesamtportfolio nicht dominieren. US-Amerikanische Aktien haben in den meisten Aktien-Indizes aufgrund ihres großen Marktwertes den größten Anteil am Index. Sie sollten bzgl. Branchen ebenfalls darauf achten, dass keine Branche im Aktienteil des Gesamtportfolios dominiert, also mehr als 30% Gewicht hat. Typischerweise ist die Branche Bank/Versicherung in vielen Indizes dominant, wenn möglich sollten daher andere ETFs mit weniger Aktien aus der Finanzbranche ausgewählt werden.

Zu 3) Ertragsverwendung:

Es gibt ausschüttende und thesaurierende (d.h. nicht-ausschüttende) Indexfonds. Thesaurierende ETFs legen die Erträge wie Dividenden und Zinsen wieder an. Wir empfehlen die Verwendung von thesaurierenden Fonds aus drei Gründen:


a. Steuer
Thesaurierende ETFs profitieren von einem Steuervorteil durch Steuerstundung und Zinseszins, da Erträge erst bei Verkauf der Fonds realisiert werden. Wir erklären Ihnen, wie Sie mit der richtigen Wahl der Ertragsverwendung mit ETF Steuern sparen können.

b. Zinseszins
Langfristig sind Dividenden bei Aktien der grösste Renditeturbo. Bei einer durchschnittlichen Dividendenrendite von 2% p.a. wird sich ein Anlagevermögen von 100 Euro
- in 20 Jahren bei 4% p.a. (ohne Dividenden) auf ca. 200 Euro verdoppeln
- in 20 Jahren bei 6% p.a. (mit Dividenden) auf ca. 300 Euro verdreifachen

c. Kosten
Für die meisten Anleger dient die Anlage in Indexfonds der Altersvorsorge. Einkommen in Form von regelmässigen Erträgen wird meist zunächst nicht benötigt. Falls doch Einkommen generiert werden soll, passt in den wenigsten Fällen die Höhe der Ausschüttungen zum individuellen Bedarf. Für die Wiederanlage der Ausschüttungen fallen Gebühren an, wohingegen aus einem thesaurierenden Fonds ein individueller ETF Entnahmeplan einfach erstellt werden kann.
Wir zeigen Ihnen in der folgenden Tabelle, was aus 100.000 Euro bei Renteneintritt mit 63 Jahren werden, und welche monatliche Rente damit generiert werden kann. Beispielsweise kann ein heute 53-Jähriger in 10 Jahren eine monatliche Rente von 570 Euro aus seinem Vermögen erhalten:

Zu 4) Kosten:

Das Auswahlkriterium, das langfristig am wichtigsten für den Anlageerfolg ist, sind die Produktkosten, welche laufend vom Fondsvermögen entnommen werden. Die Kosten variieren stark zwischen den Indexfonds, und hängen hauptsächlich von den folgenden Faktoren ab:

  • Replikationsmethode: Swap-basierte ETF sind günstiger als physisch replizierende
  • Index: Marktbreite und bekannte passive Indizes sind günstiger als aktive und wenig bekannte Indizes auf Nischenmärkte
  • Fondsvolumen: Fonds mit grossem Anlagevermögen haben tiefere Gebühren als kleinere

Grundsätzlich empfehlen wir, passende Indexfonds je Anlageklasse nach Konstruktion, Streuung und Ertragsverwendung zu filtern, und dann den günstigsten auszuwählen. Konkret heisst das für Sie:

  1. Bestimmen Sie die optimale Aufteilung Ihres ETF-Portfolios in Aktien, Renten, Rohstoffe, etc.
  2. Wählen Sie je Anlageklasse passende Indexfonds aus. Filtern sie dabei nach
    - Konstruktion: am besten physisch
    - Streuung: am besten jede Region < 50%, jede Branche < 30% am Aktienanteil
    - Ertragsverwendung: am besten thesaurierend
  3. Wählen Sie den günstigsten Indexfonds aus, d.h. den Fonds mit den geringsten laufenden Gebühren), maximal 0.50% p.a.

Bei der Auswahl der einzelnen Titel und der depotführenden Bank, bei den Transaktionen und beim Rebalancing hilft Ihnen am besten ein unabhängiger Anlageberater weiter.

Dr. Schaarschmidt betreut seit vielen Jahren zufriedene Kunden und ihre ETF-Portfolios als unabhängiger Altersvorsorgeberater. Nutzen Sie die Chance einer kostenlosen Erstberatung und bekommen Sie Antworten auf Ihre persönlichen Fragen.

Ich habe passende ETF gefunden – Wie und wo kaufe ich diese jetzt?

Tiefe Transaktions- und Depotkosten sind neben tiefen Produktkosten bei einem Portfolio aus Indexfonds grundlegend für den langfristigen Erfolg. Marktüblich ist die kostenlose Depotführung, d.h. die Bank sollte keine Gebühren für die Einrichtung und Führung Ihres Depots verlangen. Selbst vermeintlich kleine Prozentsätze summieren sich bei grösseren Anlagebeträgen und längeren Anlagezeiträumen schnell zu einer beträchtlichen Summe.

Wir empfehlen aus mehreren Gründen Direktbanken mit Onlinebanking für ein Anlagedepot. Diese bieten fast alle die kostenlose Depotführung an, bei denen Sie auch meistens einen kostenlosen ETF-Sparplan ohne Transaktionsgebühren einrichten können. Der Kauf und Verkauf von Indexfonds ist sehr einfach per Telefon oder Onlinebanking zu erledigen.